Passah vs. Abendmahl

Was haben Passsha und Abendmahl miteinander zu tun und welche Möglichkeiten gibt es dies auf etwas andere Art und Weise zu gestalten? Damit möchte sich der nächste Artikel befassen.

1         Das Passah-Fest

Für die Menschen im AT (altes Testament) und die Juden gibt es von Gott angeordnete Feste, die eine bestimmte Bedeutung haben. So war beispielsweise das Passahfest eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten(2.Mose 12,29-50).

1.1       Erinnerung

Die regelmäßige Erinnerung sorgte dafür, dass die Ereignisse und Erfahrungen für die Israeliten präsent waren. Das heißt, dass sie wussten was Gott großartiges geleistet hatte. Dieser Beweis konnte dann auch das Vertrauen im Bezug auf ihre alltäglichen Situationen stärken, dort ebenfalls Gott zu vertrauen. Denn Glaube wächst aus der Erfahrung. Ein Mensch der alles „glaubt“ ist ziemlich naiv und wird oft in Schwierigkeiten geraten. Der Glaube an Gott ist kein Ablegen des menschlichen Verstandes. Dieser soll eingesetzt und gebraucht werden. Da aber Gottes Handeln oft im Wiederspruch zur Logik steht. Ist hier die Erfahrung gefragt aus welcher das Vertrauen wächst. Wenn ich jemand vertraue, dann muss ich ihn viel weniger hinterfragen wie wenn ein unbekannter vor mir steht. Die Erfahrungen mit Gott helfen uns ihn kennen zu lernen und dieses Vertrauen zu schaffen aus welchem dann der Glaube kommt. Nur wenn ich Gott etwas Großes zutraue wird es auch was.

1.2       Praktischer Nutzen

Oft hatten die Feste auch einen praktischen Nutzen. So mussten die Israeliten beim Passahfest den „Sauerteig“ wegwerfen. Dabei handelt es sich um einen Teig, der Bakterien und Pilze enthält. Dieser wurde als Treibmittel für das Brot verwendet um es locker zu machen. Hergestellt wurde er durch das vergären einer Mischung Wasser und Roggenmehl zu je gleichen Teilen. Vor Passahfest wurde der komplette Sauerteig vernichtet. Das war quasi der große Frühjahrsputz. Für die Menschen damals hatte das also den praktischen Zweck, das großen Reinemachens und hat so zur Verbesserung der Lebensbedingungen beigetragen.

1.3       Symbolische Bedeutung

Feste im AT haben auch viel symbolische Bedeutung. So mussten die Israeliten ein Lamm schlachten (Passah-Lamm) und das Blut an den Türrahmen streichen damit ihre erstgeborenen Kinder bei der 10. Plage überlebt haben. Dies deutet auf Jesus hin, der stellvertretend für die Schuld der Menschen gestorben ist. So damals stellvertretend geschlachtet werden musste.
Auch der Sauerteig, der bereits schon erwähnt wurde, hat eine symbolische Bedeutung. Er wird an vielen Stellen stellvertretend für das Böse verwendet. Denn wenn einem Teig auch nur ein wenig Sauerteig zugesetzt worden ist, dann wurde der komplette Teig „sauer“. Genauso ist es mit einem Menschen der sich auf das Böse einlässt. Langsam aber sicher wird es immer schlimmer und dieses Bild hatten die Israeliten jedes Jahr als Warnung vor Augen.

2         Das Abendmahl

Das christliche Abendmahl ist sehr eng mit dem Passahfest verwandt. Denn es entstand aus dem Seder-Abend welcher ein Teil des Passahfestes darstellt. Jesus hat diesen Abend zusammen mit seinen Jüngern gefeiert. Dabei hat er zuerst das Brot zerteilt und an alle Jünger verteilt und dann den Wein ebenfalls verteilt. Dazu hat er seinen Jüngern die Bedeutung erklärt.

2.1       Bedeutung

Das Brot steht für den Leib bzw. Körper von Jesus. Dieser charakterisiert den Menschen welcher später dann gekreuzigt wurde. Der Bezug um Passahlamm ist das stellvertretende Sterben von Jesus als Mensch und nicht als Gott. Dadurch dass Jesus ein Mensch war konnte er die Strafe auf sich nehmen, die normalerweise jeder Mensch hätte tragen müssen. Beim Töten eines Lebewesens fliest in der Regel auch Blut. Dies steht stellvertretend für das Leben selbst. Wenn das Blut nicht mehr im Körper zirkuliert und die Versorgung sicherstellt, dann kann der Körper auch nicht mehr funktionieren und der Tod tritt ein. Dieses zweite Symbol führt Jesus ebenfalls ein und gibt ihm noch eine weitere Bedeutung, nämlich das Symbol des „neuen Bundes“. Dazu muss man sagen, dass die Israeliten unter dem „alten Bund“ lebten. Dieser wurde durch das Gesetz charakterisiert. Das Gesetz Gottes charakterisiert durch die zehn Gebote musste eingehalten werden. Hat sich jemand nicht daran gehalten dann wurde er bestraft oder musst ein Opfer bringen, das dann stellvertretend bestraft wurde. Mit dem neuen Bund schafft Jesus nicht das Gesetz ab aber verändert den Umgang damit. Im alten Bund mussten die Menschen ihre Gerechtigkeit selbst erarbeiten. Im neuen Bund hat dies Jesus stellvertretend getan und man muss dies nur für sich in Anspruch nehmen.

An dieses Schlüsselereignis sollen sich die Jünger und die Christen erinnern. Denn nur durch den Tod von Jesus kann ein Mensch vor Gott überhaupt gerecht werden. Dafür gibt es das Abendmahl. Dies hat über die Zeit eine gewisse Veränderung erlebt und auch die Interpretation des Abendmahls selbst ist unterschiedlich. Das eindrücklichste Beispiel ist das katholische Verständnis, in welchem Wein und Brot keine Symbole sind sondern das Brot wirklich zum Leib Christi wird (Wandlung). In der evangelischen Lehre werden Brot und Wein als reine Symbole verstanden. Auch über das Brot selbst gibt es unterschiedliche Ansichten. Manche verwenden ungesäuertes Brot wie das beim Passah-Fest üblich war und andere legen darauf keinen so großen Wert.

Meiner Meinung nach haben Brot und Wein einen symbolischen Wert und sollen vor allem an das Leiden und Sterben von Jesus erinnern. Der Mensch soll sich im Abendmahl seiner eigenen Fehler und Schuld bewusst werden und sich an die Vergebung erinnern die nur durch die unsäglichen Leiden von Jesus möglich wurde.

3         Christen und Abendmahl

Heute wird das Abendmahl in Freikirchen in der Regel im Rahmen eines Gottesdienstes gefeiert. Man erinnert sich dann und nimmt in großer Gemeinschaft ein kleines Stück Brot und einen kleinen Schluck Wein ein. Vor dem Abendmahl werden in der Regel die so genannten Einsetzungsworte (beispielsweise 1.Korinther 11,23–26) gelesen und Brot und Wein gesegnet. Während dem Verteilen und Einnehmen des Mahls hat dann jeder Besucher die Zeit für sich selbst zu beten.

Die ersten Christen haben das Abendmahl noch anders gefeiert. Dies kam möglicherweise aus der Nähe zu den jüdischen Traditionen, wo das Passah-Fest mit dem Seder-Abend als richtiges Abendessen ausgelegt war. So schimpft Paulus mit den Korinthern (1.Korinter 11,17-34), dass hier nicht geteilt wird sondern jeder nur sein eigenes Essen verzehrt.
Daraus kann man schließen, dass die Menschen wohl zu einem richtigen Abendessen zusammen gekommen sind. Dies war als Gemeinschaftsmahl ausgelegt und jeder hat einen Teil dazu beigetragen, ähnlich einer großen Familienfeier. Übrigens sei bemerkt, dass bei den ersten Christen sehr viel geteilt wurde. Die Gemeinde in Jerusalem hat sogar ihren Besitz geteilt. Doch mit der Zeit hat sich auch der Egoismus durchgesetzt und die Christen sind dazu übergegangen, dass jeder sein eigenes Essen mitzubringen hat. Wer wenig hatte konnte nur wenig essen und wer viel hatte konnte viel essen. Dafür müssen sehr krasse Gegensätze geherrscht haben. Während die Armen mit nichts oder einem Butterbrot auskommen mussten, haben die reichen ein eigenes Catering bestellt das ein 4-Gänge-Menu serviert hat. Welche Arroganz muss da zu Tage gekommen sein. Man sitzt zusammen am selben Tisch und der eine schaut mit hungrigen Augen während der andere schon glasige vom vielen Wein hat. Das war nicht im Sinne des Erfinders sondern Gott ist immer ein Gott der Gerechtigkeit und auch des Erbarmens bzw. der gegenseitigen Hilfe. Dadurch wäre für die Reichen ja kein Mangel aufgetreten. Doch der Egoismus war zu groß. Erschreckend finde ich auch, dass sie sich wohl keiner Schuld bewusst waren. Vielleicht gab es ein Kastendenken, wo die Armen als Mitglieder einer „niedrigeren Kaste“ eben ihr Schicksal zu tragen hatten. Doch ungeachtet der negativen Seiten, finde ich auch die damalige Art sehr inspirierend ohne damit die heutige zu kritisieren.

3.1       Abendmahl reloaded

Wir halten fest, dass das Abendmahl ein eine Gedenkveranstaltung ist. Wir Christen erinnern und an das Leiden und Sterben von Jesus und gebrauchen dafür die Symbole „Brot und Wein“. Für eine Gedenkfeier kann man sich wenig und viel Zeit nehmen. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ist der Zeitaufwand nicht so immens, kann man öfters feiern während bei einem größeren Aufwand dies nicht so oft möglich ist. Das Abendmahl kann aber auch zur Gemeinschaft genutzt werden. Das Passahfest war neben dem symbolischen Teil auch ein Fest bzw. eine Feier auf der es fröhlich zugegangen ist. Warum nicht auch einmal das Abendmahl auf eine andere Weise feiern.

Hierfür trifft man sich in gemütlicher Atmosphäre beispielsweise zu Hause wie beim Hauskreis. Man nimmt sich Zeit und kocht gemeinsam etwas Leckeres oder jeder bringt etwas zu Essen mit. Das hängt von der Organisation ab. Vor dem Essen erinnert man sich an das erste Abendmahl und mit Brot und Wein werden die Symbole gereicht. Dann erfolgt entweder das Essen oder man nimmt sich die Zeit um sich gegenseitig zu ermutigen, zu beten, Lobpreislieder zu singen. Wer es aufwändig gestalten möchte gibt dem ganzen einen Dinner-Charakter. Dabei ist zwischen den einzelnen Gängen immer wieder Gelegenheit um sich gegenseitig zu ermutigen, zu beten usw.
Durch diese Form kann man sich intensiver mit dem Abendmahl auseinandersetzen und kann gleichzeitig noch eine schöne Feier genießen an die man sich noch lange erinnert. Zusammen mit Brot und Wein.

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