Sparen in Deutschland

Es ist mal wieder so weit, die Politik hat in Deutschland festgestellt, dass man sparen muss. Doch irgenwie hat das Wort inzwischen eine sehr seltsame Beteutung erlangt. Alle wissen, dass man sparen muss. Doch wer möchte schon anfangen. Wenn man sich  damit auseinandersetzt, wird man feststellen, das sparen bei einem ganz persönlich anfängt.

Sparen, was heißt das überhaupt? Man kann es als „das Zurücklegen momentan freier Mittel zur späteren Verwendung“ (www.wikipedia.org) definieren. Damit bedeutet sparen, dass ich darauf verzichte meine Geldmittel komplett auszugeben und mir etwas zur Seite lege. Oft hat das sparen einen besonderne Zweck wie beispielsweise ein teurer Wunsch, den man sich erfüllt oder auch um ein finazieles Polster zu haben, für unvorhergesehene Ausgaben für Reperaturen oder ähnliches. Kurz gesagt bedeutet sparen, Konsumverzicht.

Wenn ich mir die Politik unter diesem Gesichtspunkt anschaue, dann stelle ich fest, das dort Sparen ganz anders verstanden wird. Hier wird nicht verzichtet sondern versucht nicht verfügbare Geldmittel durch höhere Steuern oder kürzen von Leistungen zu bekommen. Alternativ werden Schulden gemacht, doch jedes kleine Kind weiß, dass man Schulden auch wieder zurückzahlen muss und diese nicht beliebig groß werden können. Sonst ist man irgenwann pleite. Doch zurück zum sparen in der Politik. Hier wird gespart in dem mehr Schulden gemacht werden oder indem man neue Steuern erhebt. Das hat aber mit der ursprünglichen Definition nichts zu tun. Denn das ist kein sparen im Sinne von „zurücklegen freier Mittel“ sondern ein sparen im Sinne von „eintreiben neuer Gelder“.

Was haben wir also in der Politik. Doch nichts anderes, als dass Politiker und die ganzen Lobbyisten welche die Politik bestimmen nicht bei sich selber sparen sondern diesen Auftrag an andere weiter geben. Denn wer mehr Steuern bezahlen muss, hat selber weniger muss also sich einschränken und hat nicht mehr so viele Geldmittel zur freien Verfügung. Es findet also kein Konsumverzicht statt, sondern ein delegieren an andere. Ganz schön egoistisch irgendwie.

Doch mal weiter gedacht, was passiert mit denen, die durch weniger Einnahmen gezwungen sind zu verzichten? Nehmen wir mal die Mittelschicht in Deutschland. Was passiert, wenn die Mehrwertsteuer erhöht werden würde? Die Menschen hätten weniger freie Geldmittel und würden anfangen auf Dinge zu verzichten oder Schulden zu machen. Da Schulden nicht unbegrenzt gehen wird man irgendwann verzichten müssen. Es gibt aber noch eine weitere „Lösung“, nämlich das weitergeben des Verzichts an andere. Beispielsweise in dem man in besonders billigen Läden oder dem Internet einkauft. Diese Geschäfte können günstig sein, weil sie ein besonders effizientes System haben, doch damit ist irgendwann schluss und dann kommt der Punkt wo die Mittelschicht das selbe macht wie die Politiker. Sie geben den Konsumverzicht weiter, indem sie in besonders „günstigen“ Läden einkaufen. Dass es sich dabei oft auch um Geschäfte handelt, die ihre Mitarbeiter ausbeuten ist nicht bekannt oder wird ignoriert. Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten günstig zu sein, doch ich möchte mich hier mal auf die Fälle konzentrieren wo Mitarbeiter ausgebeutet werden.

Wir haben also den Fall, dass die Mittelschicht den Steuerdruck und die dadurch nötige Pflicht zum Verzicht an Menschen der „Unterschicht“ weitergibt. Wobei ich nicht sagen möchte, dass jeder Angestellte eines Geschäftes zur „Unterschicht“ gehört. Unterschicht sind hier Menschen, die durch Dumping-Löhne ausgebeutet werden. Man kann jetzt schon deutlich eine Verkettung von Abhängigkeiten sehen, bei denen Menschen die „höher“ gestellt sind, den Druck nach unten weiterreichen.

Eine weitere Möglichkeit zu sparen sind Menschen in Ländern zu beschäftigen, die günstigere Löhne oder die Möglichkeit zur besseren Ausbeutung bieten. Viele Billig-Lohn-Länder sind hier ein Beispiel dafür. Beispielsweise Indien wo Kinder beschäftigt werden. Es wird also wieder der Druck weiter gegeben. Und dort ebenfalls bis man irgendwann am Ende der Kette ist. Zwar müssen auch die Zwischenglieder sich in gewisser Weise etwas einschränken aber je weiter man nach oben kommt wo die Macht größer ist, desto einfacher ist es den Konsumverzicht nach unten weiter zu delegieren.

Wir haben also das Problem, dass niemand gewillt ist zu verzichten und das schätze ich also großes Problem ein. Wünsche sollen sofort erfüllt werden, doch das geht nicht. Mein BWL Professor sagte einmal „Wünsche sind unendlich und die Mittel sie zu erfüllen sind begrenzt!“ und ich denke damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Man wird immer Wünsche haben. Doch denkt man nur an sich selber oder denkt man auch mal an andere Menschen mit? Wenn jeder nur ein bisschen selber mit verzichtet, dann hat ein anderer es dadurch evtl. etwas besser. Und das fängt auch schon bei so einfachen Dingen an wie, wo kaufe ich ein? Muss es immer der super billig Discounter sein oder kann es auch der Laden sein in dem die Menschen etwas besser behandelt werden ???

Andenfalls verkommen wir von einer Gesellschaft die gemeinsam stark ist zu einer Herde von Einzelkämpfern. Diese werden dann über den finanzellen Tropf gesteuert und dirigiert von Menschen die viel Macht (=Geld) haben. Wollen wir das? Oder wollen wir nicht versuchen uns für ein wenig Gerechtigkeit stark zu machen? Dann müssen wir aber anfangen und nicht um uns selber zu drehen sondern an andere zu denken. Das ist übrigens ein biblisches Prinzip 😉 .. indem Gott sagt, dass man andere so behandeln soll wie man selber behandelt werden möchte. Und wer möchte schon gerne für 2,30€ die Stunde arbeiten?

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